Es begann zunächst wie ein ganz normales Spiel. Wir etwas abwartend, Kassel aktiver, nahm viele Schüsse, doch wir dafür direkter und sehr effizient im Angriff. Auch die wichtige Rückkehr von "Otto-Motor" Steve Hanusch sollte sich direkt auszahlen. Mit einem starken Move eröffnete die Nummer 4 den Torreigen. Wenig später markierte der Kapitän freistehend das 2:0. Der Jubel bei Pille natürlich groß, war es doch sein erstes Tor nach 18 torlosen Partien. Als wäre das nicht schon genug, folgte in der 13. Minute ein richtig starker Forecheck unseres vierten Blocks gegen den etwas leichtsinnig wirkenden Gästegoalie, der schließlich das 3:0 zur Folge hatte. Tommy Garlic und Ruppi mit dem geilen Forecheck, Niklas Jentsch durfte den Puck empfangen und ins Leere Tor einnetzen. Sein erstes DEL2-Tor überhaupt. Gratulation. Dann schlug der richtig stark haltende Marco Eisenhut mit einer ahndungswürdigen Spielverzögerung den Strafenkatalog auf.
Was sich danach zwischen Minute 14 und 40 abspielte, haben selbst Hockey-Urgesteine wohl noch nicht oft erlebt. Ja, wir machen alle Fehler und Spieler oftmals mehr als Zebra-Vierergespanne, aber diese 26 Spielminuten waren ein Lehrfilm, wie man es nicht macht. Das es nach 40 Minuten statt 3:0 dann 3:3 stand, hatte leider nicht nur sportliche Gründe. Selbst wenn man diszipliniert sein wollte, es gab keinerlei Möglichkeit, sich auf die Linie der Refs einzustellen. Es gab schlicht keine Linie.
Ein paar Beispiele dieser schwarzen Nacht:
Lamoureux liegt nach einem sicher schwer erkennbaren Hit mit dem Kopf nach unten auf dem Eis. Es ist ja nicht so, dass was passiert sein könnte. Zunge verschluckt, etc. Also lässt man ihn erst einmal dort 10 Sekunden liegen, bis man sich hin bemüht. Unverantwortlich.
Steven Rupprich muss einen Linesman 3 Meter mit ins Drittel schieben, um seinen Forecheck fahren zu können.
Knackstedt zimmert seinem Gegenspieler massiv einen in die Kauleiste. Nix.
Dafür bekommt Nick Huard eine Strafe, weil er an der Bande eine Scheibe klärt, während er vom Gegenspieler attackiert wird und dieser von ihm abprallt, da Huard in stabiler Schutzhaltung verweilt. Unkorrekter Körperangriff Huard. Ja moin.
1x Offside-Ruf, Kassel fährt nicht raus, 2x Offside-Ruf, Kassel fährt nicht raus, 3x Offside-Ruf, Kassel fährt nicht raus und kämpft die ganze Zeit im Zweikampf um die Scheibe. Spiel läuft weiter und statt Bully auf der anderen Seite wegen absichtlichen Abseits, fällt wenig später das vermeintliche 3:1, welches wegen einer angeblichen Kickbewegung nicht gegeben wurde. Wir haben auf Kniehöhe einen Treffer per Schläger gesehen, aber konnten keinen Kick mit dem Schlittschuh ausmachen.
Beim 3:2 pfeift der Ref ab, weil Eisenhut mehrfach im Slot mit dem Schläger attackiert wurde, zeigt aber nach dem Pfiff auf Tor, da die Scheibe just in dem Moment reingestochert wurde. Angeblich kam der Pfiff erst, nachdem der Puck über die Linie ging. Können und wollen wir nicht beurteilen. Licht und Schall.
Sweet 17 Carroll(ine) mit vielen geistigen und körperlichen Aussetzern, doch eine Zehner bekam er trotzdem nicht. Somit setzte man für die Gäste auch die Latte früh nach oben. Es wurde gemeckert, beeinflusst und geschauspielt, ohne Zurückhaltung. Logisch, es brachte ja auch den gewünschten Ertrag und wurde nicht gemaßregelt.
Es gibt ja den Satz, es gleicht sich alles aus, aber auch wenn wir sicher nicht 100% objektiv sein können, war das eine der einseitigsten Shows der DEL2-Bläser, die wir in jüngster Zeit erleben durften.
Von Hybrid-Icing, Wechselfehlern, Torverschieben, Goalie-Fakeeinlagen und weiteren Auffälligkeiten wollen wir gar nicht erst anfangen und ja, 3-4 Entscheidungen liefen auch böse gegen die Gäste. Aber die Masse der Pfiffigkeit hatte eine klare Breitseite.
Im dritten Abschnitt beruhigte sich dann die Szenerie etwas. Beide Teams fanden endlich wieder Spielrhythmus und unsere Jungs zeigten nach dem ersten Rückstand im Spiel Moral. Das Mitchell beim postwendenden 4:4 den zuvor mehrfach peinlich schauspielenden Hungerecker im Gästetor etwas emotional anschrie, war sicher unsportlich und wurde ja auch geahndet, doch irgendwie war es nach all den Vorkommnissen nachvollziehbar und immerhin gelang es dadurch auch, die kurze Zündschnur von Sweet Carroll(ine) endgültig abrennen zu lassen.
Als man daraufhin die ersten längeren eigenen Überzahlsituationen ungenutzt ließ, roch es schon nach Verlängerung, doch dann zauberte Super-Mario einen gefühlten Game-Winner aus dem Hut. Aber zu früh gefreut. Wie gegen Ravensburg brachte man die Führung leider nicht ins Ziel und verschenkte in letzter Minute einen Punkt.
Anders als gegen die Oberschwaben konnte man allerdings in der Overtime selbst den Zusatzpunkt eintüten, weil Knacki das fast dreistündige und kraftraubende Treiben auf spielerisch eher mauem Niveau mit einem wunderschönen Zaubersolo beenden konnte.
Fazit: Starkes Unterzahlspiel, jedoch zu viel Unterzahlspiel. Disziplinproblem? Ja und nein. Starker Torhüter, starkes Blocking, recht gute Effizienz im Angriff, aber hinten vor allem auch dank der harten Unterzahlphasen (dreimal 3 gegen 5) dann kopfmüde. Kein schönes, aber natürlich ein ereignisreiches Spiel mit einigen hübschen Toren. Insgesamt hat man in den beiden Heimspielen letztlich drei Punkte liegen lassen, aber mit dem Sieg gegen den Spitzenreiter doch noch einen wichtigen Boost für die Moral erkämpft.
Weiter, immer weiter.
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