Es war nur die Vorbereitung und die Ergebnisse sind schon jetzt nichts mehr wert. Zumindest in der Tabelle. Doch für den Kopf, für das Selbstverständnis, für das Gefühl und den Teamgeist war diese Preseason eine runde und wichtige Sache.
Unsere Eislöwen haben trotz eines Dutzends neuer Spieler schnell zueinander gefunden und sind harmonisch aufgetreten. Besonders beeindruckend dabei, wie clever der Kader zusammengestellt ist, denn es scheint, als könne man wirklich jeden miteinander matchen und in jeder Konstellation funktionierende Reihen aufstellen. 19 Spieler haben gescort, 14 Spieler haben sich in die Torschützenliste eingetragen. Gleich neun Akteure haben drei oder mehr Punkte erzielt.
Einen Denkzettel hat man dennoch erfahren und der war auch wichtig. In Tabor hat man gesehen, was passiert, wenn nicht alle an einem Strang ziehen und nicht jeder die hundertprozentige Einstellung mitbringt. Aufgrund unserer teils dominanten Spielweise wird es über die gesamte Saison hinweg ein Thema sein, die Gegner immer durchweg ernstzunehmen, zielgerichtet und scharf zu bleiben und sich nicht zu sehr am eigenen Spiel zu berauschen.
Neuzugänge:
Bei den neuen Spielern kann man festhalten, dass niemand abfällt. Besonders herausheben darf man sicherlich die JAA-Reihe (Jan, Adam, Alec). Adam Helewka besticht als Mini-Draisaitl durch eine robuste, aber gleichzeitig geschmeidige Spielweise, beweist viel Spielübersicht, zeigt Tempo, wenn Bedarf besteht und spielt ansonsten sehr entspannt, was viel Ruhe auf die Mannschaft ausstrahlt. Ruhe ist jetzt nicht das Attribut, was einem bei Jan Nijenhuis zuerst einfallen würde, aber er ist dafür ein energetischer Spieler, der viel Speed aufs Eis bringt, den Forecheck befruchtet, gut nach hinten arbeitet und auch Scoringqualitäten angedeutet hat. Selbige hat zweifelsohne auch Alec Ahlroth, der drittbester Scorer der Vorbereitung wurde. Seine Technik, Übersicht und Flexibilität macht die Reihe beinahe perfekt.
Offensiv wären dann neben den frischen Talenten noch die Spink-Zwillinge. Was will man da groß sagen? Beide ergänzen sich perfekt, sorgen für unheimlich viel Trouble beim Gegner, arbeiten bislang auch stabil zurück und sehen nicht die Notwendigkeit, sich in den Vordergrund zu drängen. Teamplayer überall.
Auch unsere Nachwuchskräfte um Lukas Buschbeck, Karl Gärtner und defensiv Jacob Ficenec sowie Ivan Komirist haben starke Ansätze gezeigt, können das Tempo mitgehen und hatten ihre Momente. Aus unserer Sicht werden aufgrund der U/Ü-Regel vor allem die zwei Stürmer gute Chancen auf Einsatzzeiten haben, aber auch Jacob Ficenec könnte am Freitag direkt zu seinem DEL2-Debüt kommen. Für Ivan dürfte es zunächst eher einen Stammplatz in Leipzig und der DNL geben.
Defensiv hat man zudem mit Ryan MacKinnon und Gregory Kreutzer ein Duo geholt, welches sofort miteinander funktioniert hat. MacKinnon war der stärkste Defender der Vorbereitung. Er hat hinten den Laden zusammengehalten, viel gearbeitet, einen starken Aufbaupass gespielt, ansonsten viel die blaue Linie als Quarterback verwaltet und Löcher zugelaufen. Mit Kreutzer hat er einen laufstarken Kollegen, der vor allem defensiv denkt und die Struktur bewahrt.
David Suvanto ist zwar kein Neuzugang, doch er schaut trotzdem wie ein neuer Spieler aus. Irgendein Schalter ist da umgekippt. Er sprüht vor Energie, Spielfreude, Härte, Intensität und Willen. Gepaart mit seinen läuferischen und technischen Qualitäten können wir nur hoffen, dass David diese Form konservieren wird.
Im Tor haben wir mit Fabian Hegmann nur einen Neuling begrüßt, doch der hat es ebenfalls in sich. Trotz seiner Größe bringt Fabian eine hohe Agilität mit sich, liefert gute Reflexe, regelt aber ansonsten viel mit dem Stellungsspiel. Er ist ein Mann für die Zukunft, aber ganz sicher auch schon für die Gegenwart. Wir werden, so wir denn eine lange Saison haben werden, frische Goalies brauchen. Schwendi, Fabian, aber auch Marvin Berbner, bei dem man auch keine Panik schieben würde, wenn er mal startet, bieten Bo Subr eine breite Auswahl mehr als solider Puckfänger. Bei Schwendi hoffen wir, dass er schnell fit wird und zeigen kann, was er drauf hat. Ansonsten muss man auch auf dieser Position hin und wieder schauen, ob der Einsatz zweier U-Goalies notwendig wird, um 15 Ü-Feldspieler einsetzen und immer mit vier Reihen agieren zu können.
Spielsystem:
Unsere Grundidee ist klar. Schnelles und laufintensives Eishockey. Daher macht der große Kader auch Sinn. Man sieht keinen Spieler auf dem Eis, der das Tempo nicht gehen kann. Man spielt schnell von hinten raus, überbrückt die neutrale Zone formidabel und kombiniert offensiv fast schon erschreckend gut. Egal wer da auf dem Eis steht, es wird hart im Fore- und Backcheck agiert. Es ist immer Tempo drin. Wir cyclen offensiv wie David Musial an seinen besten Tagen, aber mit doppeltem Speed. Egal ob kleine oder große Gruppe, man sieht, dass alle kapiert haben, was sie zu tun haben. Bo Subr und sein Team haben es geschafft, ihre Idee schnell zu implementieren, ohne das Team gleich mit Details zu überfrachten. Diese Details werden dann Woche für Woche sanft ins Süppchen hineingegossen, bis es wirklich allen mundet.
Überraschung:
Tomas Sykora ist für uns neben Lukas Buschbeck die absolute Positiverscheinung der Vorbereitung. Man kann bereits sagen, dass sich die Weiterverpflichtung gelohnt hat. Der Mann zieht am Kabel und wirkt wie auf einer Mission. Gut, einen solchen Veteranen im Team zu wissen. Zudem hat Fabian Hegmann noch stärker überzeugt als zu erwarten war.
Baustellen:
Um uns mal etwas zu erden, kommen wir nun aber auch zu den Wehwehchen. Wir richten uns nicht nach dem Gegner und das ist auch richtig so. Selbstverständnis ist wichtig. Wir müssen aber in Sachen Restverteidigung aufmerksamer werden. Am anfälligsten für Gegentore sind wir bei Breaksituation, in denen wir manchmal mit fünf Mann durchfallen. Gut ist, dass wir im Backcheck mehr Tempo haben als in der Vorsaison, um es zu kaschieren, aber das Problem ist da. Es braucht also mehr Balance rund um die offensive blaue Linie. Ein weiteres Thema ist die Disziplin. Zwar haben wir zuletzt schon einen positiven Trend gesehen, doch nehmen wir mitunter zu viele unnötige Strafen. Es ist gut, dass wir aggressiv sind und uns nichts gefallen lassen. Dem Gegner unter die Haut zu gehen, darf nicht fehlen. Allerdings sind wir, auch dem geschuldet, dass es um nichts ging, etwas zu scharf übers Eis geschossen. Dies hatte dann auch viele Unterzahlsituationen zur Folge. Gut zum Üben, aber auch gut für unsere Gegner. 7 unserer 18 Gegentore, also fast 40 %, kassierten wir in Unterzahl. Das PK ist mit 77,4 % noch ausbaufähig. Man sollte schon einen Wert Richtung 84 % anstreben. Das deutlich größere Klemmen verzeichnet man aber in der eigenen Überzahl. So gefällig und smooth man bei fünf gegen fünf auch agiert, sobald wir einer mehr sind, gerät alles ins Stocken. Klar, der Gegner verteidigt bei Unterzahl anders, läuft anders an und deckt die Räume vor dem Tor enger, aber es entsteht auch der Eindruck, dass wir uns noch zu sehr auf die individuelle Qualität verlassen, nicht immer genug Bewegung reinbekommen, somit zu statisch werden und vor allem selten die Abschlussposition im Slot freispielen können. Das man das flexible 1-3-1 spielt, bei dem jeder mal zum Bumper oder Quarterback werden kann, ist modern und sieht man überall. Bislang sind die Passkombinationen aber noch zu eindimensional. Man hat allerdings auch nicht gegen Oberligisten getestet, gegen die man schneller in den Flow kommt, wenn es ums Powerplay geht. Die Qualität unserer Spieler spricht dafür, dass sie sich da noch finden werden und effizient genug werden, wenn Bedarf besteht.
Die Effizienz ist auch ein Thema. 23 Tore, also 3,3 pro Spiel, sind grundsolide und reichen bei unserer Defensive sicher auch aus, aber da eine Saison nie 52 mal gleich läuft, wird es notwendig sein, im Abschluss noch etwas geradliniger und gieriger zu werden, um nicht Gefahr zu laufen, trotz optischer Überlegenheit baden zu gehen. Die letzten vier Spiele gegen Wolfsburg, das Gefuxxxe, Rütters Problemkinder und die Turmsternchen haben dahingehend aber bereits einen positiven Anstieg gezeigt. 17:7 Tore, vier Siege, nur einmal mehr als zwei Gegentore und dieses fiel eine Sekunde vor Schluss und war völlig bedeutungslos.
Führungsspieler:
Wenig überraschend ist Dane Fox der neue Kapitän der Eislöwen. Dies zeichnete sich bereits in der Vorbereitung ab. Ihm assistieren genauso erwartbar mit Drew LeBlanc und Tomas Andres zwei weitere standorterprobte Routiniers. Und dann gibt es da eine Menge Spieler, die keinen Buchstaben brauchen, um ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. Helewka, die Spinks, Ryan MacKinnon, David Suvanto und Tomas Sykora, um nur ein paar Namen zu nennen. Manch einer würde jetzt vielleicht sagen, das sind zu viele Häuptlinge, aber darauf haben Baxmann und Subr wohl intensiv geachtet, als der Kader zusammengestellt wurde. Wir haben gute Charaktere, keine Selbstdarsteller oder Egotypen. Alle spielen für das Team und das gemeinsame Ziel.
Fazit:
Die Vorbereitung verlief sehr vielsprechend und nicht nur auf dem Papier darf man uns zur Top 3 der Liga zählen. Was es am Ende wird, ist jetzt schwer zu sagen, aber wir haben definitiv das Potenzial, eine lange und erfolgreiche Saison zu erleben. Das Team hat Tempo, Härte, Intensität, Moral, Kraft, Willen, aber auch Technik und Eleganz. Hinzukommt ein Trainerteam, was genau weiß, wie man erfolgreich ist und bislang die richtigen Hebel bedient.
Wir freuen uns auf den Saisonstart am Freitag und dann haben auch wir als Fans erstmals 100 % abzurufen.