Jahrelang lautete der Tenor, die DEL2 habe sich enorm entwickelt und in Bezug zur DEL aufgeholt. Der Abstand wäre kleiner geworden. Wir haben selbst erlebt, was für ein Märchen das letztlich ist.
Ja. Die DEL2 hat sich in den letzten fünf Jahren sehr gut entwickelt. Zur Wahrheit gehört nur auch, dass das genauso für die DEL gilt. Vor fünf Jahren wären Wechsel von Spielern wie Wilkie, den Spinks, White und Co. undenkbar gewesen. Mittlerweile kommen aber immer mehr KHL- und Low-Entry-Level-NHL-Spieler/AHL-Spieler in die DEL. Die logische Konsequenz: Mehr Qualität, mehr Aussieben. Hinzukommt, dass sich das Importmaß nicht angeglichen hat. Wir reden immer noch von einem Verhältnis von 9 zu 4 (225%). Ein Ungleichgewicht, was bis nach ganz unten strahlt. Plötzlich sind Spieler wie die Spinks nur noch mit deutschen Pass für die DEL Teams relevant, klammern wir mal die Plätze 11 bis 14 aus.
Die besten deutschen Spieler sind förmlich dazu gezwungen, kein Risiko einzugehen und teilweise miesere Verträge anzunehmen, um nicht ohne Team dazustehen, oder zu einem Aufsteiger wechseln zu müssen. Doch der Schritt in die DEL2 ist für deutsche Spieler dann nur selten eine Option. Ähnlich verhält es sich auch zwischen DEL2 und Oberliga, wenn auch auf anderem Niveau.
Die DEL2-Teams haben diese Diskrepanz durch unser Abschneiden hervorragend aufgezeigt bekommen. Es reicht nicht, 5 Imports hinzuzuholen und auf starke Meisterspieler zu bauen. Du musst frühzeitig DEL-Material verpflichten und Risiko eingehen, indem du Spieler mit dem Potenzial verpflichtest, drauf hoffend, dass sie es letztlich entfalten. Obendrauf kommt das Mittel des Einbürgerns. Ist das immer und überall sauber? Nein. Standorte haben unterschiedliche Herangehensweisen und Möglichkeiten. Doch legitim ist es allemal, denn letztlich geht es ums sportliche und damit auch wirtschaftliche Überleben.
Aktuell erleben wir die Auswirkungen. Wir sind uns wohl alle einig, dass Kassel, Düsseldorf und Dresden die besten Kader der neuen DEL2-Saison stellen. Zumindest auf dem Papier. Die Dichte an großen Namen hat massiv zugenommen. Die Topteams sind mittlerweile gezwungen, mit einem DEL-Etat aufzuwarten, um sich für einen potenziellen Aufstieg halbwegs zu rüsten. Krefeld wird es besser machen als wir, auch weil wir als mahnendes Beispiel herhalten, doch auch sie werden nicht plötzlich ein Top-8-Team in der DEL. Die Schere ist weiter auseinandergegangen und genau das ist die Krux. Denn all die Sommer-Transfercoups gaukeln uns immer wieder das Gegenteil vor. Wir feiern die Spinks, die Wilkies, die Whites, die Haiskanens und O'Donnells, aber blicken dann auf Teams wie Frankfurt oder Iserlohn und sehen, dass die DEL-Kader mindestens zehn dieser Kaliber aufweisen. Allein im letzten Monat wechselten sieben KHL-Spieler in die DEL.
Der nächste Aufsteiger muss also jetzt bereits die DEL beobachten und abchecken, was notwendig sein wird. Frühzeitig Fühler ausstrecken, gut scouten, Reputation stärken, spannend für Topspieler wirken und wenn nicht sportlich, dann wenigstens mit Stadt, Einrichtung, Familienfreundlichkeit, Topbedingungen und guter Atmosphäre glänzen. Eine Garantie, dann DEL-Spieler unter 30 zu bekommen, ist dennoch nicht gegeben.
Versteht uns nicht falsch. Wir haben richtig Bock auf die neue Saison und glauben, dass es eine geile Meisterschaft wird, in der es einen epischen Kampf um den Titel geben könnte. Allein das wir daran beteiligt sein dürften, ist geil. Doch sollten wir tatsächlich erneut die Glücklichen sein, beginnt erneut ein Jahr der völligen Ungewissheit.
Aktuell umfasst unser Kader, wenn man alles mit einbezieht, potenziell max. 13 Spieler, die man mit hochnehmen könnte. Also eine halbe Mannschaft. Das ist schon positiv gerechnet und trotzdem wenig, da es neben 5 neuen Imports mindestens noch 8 deutsche Spieler mit DEL-Format braucht. Natürlich hilft uns, dass wir anders als andere erst taufrisch unsere Visitenkarte oben abgegeben haben und mit Jens Baxmann auch einen Sportdirektor haben, der gefühlt jeden DEL-Spieler kennt. Allerdings gehören zu jedem Vertragsabschluss viele Parameter. Der Spieler muss wollen, die Clubs müssen wollen, die Berater müssen wollen und der Preis muss genauso stimmen wie die Vertragslänge und dann haben wir über die sportliche Perspektive und die Rolle des Spielers noch gar nicht geredet. Wir sind daher froh, dass sich in der DEL2 überhaupt so viele Clubs bereiterklären, diese Herausforderung anzunehmen und sind stolz, dass wir dazugehören. Wir haben Blut geleckt. Wir sind heiß auf diese Challenge. 2025 war zu geil, um es nicht wieder erleben zu wollen.
Freuen wir uns also auf die Spinks, die Helewkas, die MacKinnons, die Wilkies, die O'Donnells, die Haiskanens, die Blums, die Traceys, die Schmidt-Svejstrups, die Whites, die Turnbulls (Carter) und viele mehr. Was fällt auf? Vorrangig Imports. Denn deutsche Spieler von gleichem Format wechseln nicht in die DEL2. Außer man bezeichnet Spieler wie van der Linde oder Martinovic jetzt als Topspieler.
P.S.: Noch vor einem Jahr wäre ein Wechsel von Blum zum DEL-Aufsteiger Dresden unwahrscheinlich gewesen, jetzt steht er in der DEL2 bei Landshut unter Vertrag. Die Entwicklung des Marktes ist so rasant wie der Eishockeysport selbst.
Aufgepasst DEL. Wir haben die Ferngläser scharf gestellt. ;-)