Donnerstag, 23. Juli 2020

Wohlbehütet: Wo der eine war, will der andere hin...

Eislöwen setzen auf spannendes Zwei-Generationen-Duo im Tor!

Zunächst gilt es, uns bei Marco Eisenhut für 3 Jahre als Nummer eins bei den Eislöwen zu bedanken. Es hatte sich leider lange angedeutet, dass sein Weg an der Elbe nicht mehr weitergehen würde. Zu selten konnte er in den letzten beiden Spielzeiten an die herausragenden Leistungen aus seiner Premierensaison anknüpfen. Dennoch war er immer eine verlässliche Nummer eins, hat sich stets loyal verhalten und alles für unsere Farben gegeben. Dafür gebührt ihm unser Respekt und Dank. Wir wünschen Marco alles Gute für seine weitere Karriere. Die besten Jahre eines Goalies hat er schließlich noch vor sich. Danke. Du bleibst für immer unser Eisenhüter mit der #31. Kein Goalie hat mehr Einsätze für uns absolviert. 134 Mal lief Marco Eisenhut für Dresden auf und verdrängte damit Kevin Nastiuk von der Spitzenposition. In diesen 134 Spielen als Starting-Goalie gelangen dem gebürtigen Deggendorfer dank insgesamt 3.918 Saves immerhin solide 57 Siege (Siegquote: 42,5%) und 3 Shutouts (Spiele ohne Gegentor). Zudem bereitete Eisenhut mit seinen schnellen Aufbaupässen insgesamt beachtliche 8 Tore vor. Damit war er einer der Topscorer unter den Goalies der DEL2. Merci Marco Ei-Sen-Huuuuut.

Nun wird, wie schon zum Ende der letzten Saison, Riku Helenius die Rolle als Starting Goalie übernehmen und dabei eine Schippe drauflegen müssen, doch er hat eben auch das Vermögen, dies zu tun. Auf dem Papier ist Helenius, das war er auch schon letzte Saison, der aktuell größte Goalie-Name in der DEL2. Ruft er sein volles Leistungspotenzial ab, ist er qualitativ auch mit Abstand der beste Torhüter der Liga. So gesehen ist die Entscheidung nachvollziehbar. Doch Helenius muss sein selbst benanntes Motivationsloch der letzten Jahre vollständig überwinden. Dies gelang ihm in der letzten Saison nur teilweise, auch wenn er immer wieder in wichtigen Spielphasen seine Klasse andeutete. Auf Dauer und eine Saison betrachtet, braucht man aber einen konstant starken Helenius, gute Reboundarbeit der Verteidiger im Slot vor der eigenen Bude und es wäre auch hilfreich, wenn Riku seine Fanghand-Faulheit ablegen würde. Die Fanghand ist zu gut, um sie dann nicht einzusetzen. Zudem sorgt ein einseitiges Goaliespiel für Ausrechenbarkeit beim Gegner und dann haben wir das nächste Problem. Bei Eisenhut war das Five-Hole die Achillesferse, bei Helenius die in den letzten Jahren eingerostete Patschehand. Wir gehen aber davon aus, dass ein Mann seiner Klasse nach einer kompletten Vorbereitung mit dem Team auch professionell und auf hohem Niveau performen, seine Motivation finden und folglich ein wichtiger Rückhalt sein wird. Hoffen wir, dass er in die Fußstapfen starker finnischer Goalies am Standort treten und die Latte noch einmal höher legen kann, als es Itämies und Häkkinen in Ihrer Zeit getan haben.

Als Backup wird "Supertalent" Nick Jordan Vieregge fungieren, der mit gerade einmal 17 Jahren in der letzten Saison sein DEL2-Debüt feierte und bei seinem einzigen Einsatz in Heilbronn andeutete, wo die Reise hingehen könnte. Das man ihn nun bereits als Backup hochzieht, ist absolut gerechtfertigt, auch wenn er offiziell auch weiterhin für die U20 spielen soll. Vieregge ist zu gut für die DNL2, wirkte bereits in der letzten Saison in der zweithöchsten Nachwuchsklasse des DEB qualitativ unterfordert. Auch und vor allem dank Nick Jordan waren die Eislöwen Juniors als Fünftplatzierter der DNL2 das Team mit den wenigsten Gegentoren (35 Spiele, 79 Gegentore). In 30 Hauptrundenspielen lieferte der gebürtige Hamburger (Reinbek) nicht nur starke Statistiken ab, kassierte weniger als 2 Gegentore pro Spiel und schraubte seine Fangquote weit über die 90%-Marke, er hielt auch gleich 6 Mal zu Null (6 Shutouts) und mutierte so zu einer Art DNL2-Hexer. Nick Jordan Vieregge gehört die Zukunft (am Standort). Wenn man ihn kontinuierlich aufbaut, kann er bereits in 2 Jahren die Position des Starting Goalies ausfüllen, da sein Potenzial derzeit einfach kein Limit zeigt. Doch keiner der Beteiligten darf dabei den dritten vor dem ersten Schritt machen und so ist auch beidseitig Geduld gefragt. Da wo Riku Helenius war, möchte Vieregge sehr wahrscheinlich irgendwann mal hin: In die NHL. Für Goalies noch einmal ein schwierigeres Unterfangen, als für Feldspieler, doch unmöglich ist es nicht, wenn man Schritt für Schritt vorgeht. Wenn man keine gravierenden Fehler in seiner Entwicklung macht, ist sein Weg in die DEL auf jeden Fall schon vorgezeichnet und man kann hoffentlich trotzdem so lang wie möglich von seinem Talent am Standort profitieren. Bereits in diesem Sommer gab es Abwerbeversuche bekannter DEL-Größen, doch man konnte Vieregge an der Elbe halten. Wichtig und gut, zumal er mit Helenius hier einen Mann vor sich hat, von dem er sicher viel lernen kann.

Wie man im Club bezüglich eines dritten Goalies vorgehen wird, sollte einer der vorher genannten ausfallen oder im Nachwuchs zum Einsatz kommen, bleibt noch ungeklärt. Ob sich notfalls Düsseldorf bereit erklärt, einen Spieler als Backup zu schicken, ist zumindest fraglich, da man sich auf der Bank nicht weiterentwickelt. Womöglich hofft man noch darauf, dass sich die gesundheitliche Situation von Florian Proske verbessert, doch wenn man die Worte zu seinem Zustand interpretiert, ist er immer noch nicht vollständig genesen und daher wohl keine sichere Bank für Einsätze. Somit stellt sich die Frage, ob man noch einen dritten Goalie nach Dresden holt oder das DNL-Team verstärkt. Bereits letzte Saison hat man über die Kooperation mit Erfurt ein tschechisches Talent ins Team eingebunden, um die Generationenlücke im Juniorenbereich aufzufüllen und vielleicht wird dies auch in der neuen Saison geschehen, um Vieregge dauerhaft in der Profimannschaft einsetzen zu können.

Es gilt auch zu bedenken, dass im Saisonverlauf wichtige WM-Turniere der Juniorennationalmannschaften anstehen. In dieser Zeit gilt es, auf die Talente zu verzichten und diese im Kader zu ersetzen. Aktuell wäre das neben Lucas Flade als Verteidiger, der womöglich den Großteil des Dezembers aufgrund der U20-WM und der Vorbereitung auf selbige fehlen würde, eben auch Nick Vieregge, der zumindest ein aussichtsreicher Kandidat für die U18 und später für die U20 des DEB sein dürfte.

Ungeachtet dessen freuen wir uns auf unser deutsch-finnisches Duo im Gehäuse, hoffen auf eine erfolgreiche Spielzeit und einen guten "Fang".

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