Mittwoch, 13. Mai 2020

Bitter im Abgang...

Eislöwen verabschieden Spieler-Quartett!

"Wie können Sie den abgeben?" - "Kommt auch mal ein Neuzugang?" - "Wir geben nur Spieler ab, der Verein wird bestimmt aufgelöst." Diese bzw. ähnlich geartete Kommentare durfte oder musste man heute wieder auf der Tummelwiese der Eishockey-Studierten lesen.

Natürlich ist es bitter, dass Petr Pohl nach seiner starken Saison nicht an der Elbe bleibt, aber nichtsdestotrotz sollte man nicht nur von der Wand bis zur Tapete denken. Die Eislöwen geben einen Spieler sicher nicht grundlos, oder gar aus langer Weile ab, nur um irgendeinen Fan zu ärgern. Pohl ist 33, kam aus der DEL bzw. aus dem Stand der Vereinslosigkeit. Er ist ein Spieler hoher Qualität, aber auch hoher Ansprüche, der nie betont hat, langfristig zweitklassig spielen zu wollen. Kurzum, er kostet sicher ordentlich Geld, liebäugelt ganz sicher auch mit höheren Aufgaben und wer weiß, ob er überhaupt zur neuen Saison nach Europa einreisen darf und will, lebt er doch in Florida. Ebenfalls gut möglich, dass er jetzt Nägel mit Köpfen machen will bzw. andere Angebote lukrativer sind. Was man aber vor allem nicht vergessen sollte, bevor man bezüglich der Verantwortlichen von Unfähigkeit spricht, ist, dass eben diese Verantwortlichen den Spieler überhaupt erst dazu bewegen konnten, nach DD zu wechseln und sich hier so zu präsentieren. Wir haben für Trauer und Missstimmung immer Verständnis, können aber dieses pauschale und unkultivierte Eingehacke auf den eigenen Club und deren Mitarbeiter einfach nicht nachvollziehen. Es besteht ein kleiner Unterschied zwischen konstruktiver Kritik, melancholisch angehauchter Trauer und einem unkontrollierten Wut- oder Frustabbau, bei dem dann auch noch derart viele unsinnige Behauptungen aufgestellt werden, die wiederum andere beeinflussen. Da ist der Blumensamen noch gar nicht gekauft worden, schon wird sich darüber aufgeregt, dass die Blüten verwelkt sind.

Gerade in der aktuellen, für alle Clubs äußerst ungewissen Situation sind wir froh, dass unser Club derzeit nicht um jeden Preis über die Schmerzgrenze geht, um Spieler zu halten oder zu holen, die man dann vielleicht im Dezember nicht mehr bezahlen kann oder zwecks irgendwelcher Klauseln an die Konkurrenz abgeben muss, sondern weiterhin den selbst auferlegten Transferstopp beibehält, gewissenhaft an den Lizenzunterlagen arbeitet und genau abwägt, welche Verträge man derzeit abschließt. Sollen doch Frankfurt, Bietigheim und Co. für den Aufstieg Wettrüsten und Risiken eingehen, ob kalkulierbar oder nicht. Wie man es macht, man macht es doch nie allen recht. Man soll einerseits nicht größenwahnsinnig agieren, andererseits aber am besten 5 Topstars pro Monat vermelden. Einige Fans müssen sich mal entscheiden, was sie wollen. Im Mai einen geilen Kader feiern oder im Dezember Eishockey unserer Jungs in der DEL2 sehen?!

Wenn man die Aussage von Marco Stichnoth liest, entnimmt man dieser sehr viel Wertschätzung für den Spieler Petr Pohl, doch man konnte sich halt nicht auf eine gemeinsame Zukunft einigen. Das passiert bei tausenden Clubs Sommer für Sommer. Sicher bitter, aber Pohl war bei allem Respekt nun auch nicht der alles überragende Star der Liga wie ein Dylan Wruck und bei Kaderplanungen geht es auch bestenfalls nie um den einzelnen Spieler, sondern um ein sinnvolles Gesamtkonstrukt, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie jetzt.

Petr Pohl ist schnell zum Publikumsliebling aufgestiegen und daher ist niemand glücklich über die Entscheidung, doch der Club hat kein Besitz- und Entscheidungsrecht über seine Spieler und so muss man Jahr für Jahr auch harte wie unliebsame Entscheidungen treffen und/oder hinnehmen.

Aus oberflächlicher Fansicht ist auch die Verabschiedung von gleich drei "eigenen" Talenten schwer zu vermitteln, doch wenn man es mal detailliert betrachtet, eröffnen sich einige Lösungswege. Mit Flade, Goalie Vieregge und tendenziell wohl auch Uplegger wird man die besten Talente am Standort halten wollen bzw. schon gehalten haben. Defensiv bleiben dann nicht mehr viele Plätze übrig und Talente wie Ribnitzky und Heyter würden entweder als Zusatzverteidiger auf der Bank und Tribüne verhungern oder per Föli in der Oberliga spielen, wobei hier ganz nebenbei auch denkbar ist, dass man sich um eine neue Variante bemüht. Für Einsätze in der DNL2 sind alle Spieler aber definitiv zu alt. Nun haben Sie stattdessen die Möglichkeit, einen Club zu finden, der Ihnen entweder optional Reihe 3 in einer DEL2-Defensive oder viel Spielpraxis in der Oberliga bei mitunter sogar besserem Gehalt als Stammspieler bieten kann.

Auch bei Niklas Jentsch muss man sagen, dass er einfach noch nicht konstant 8-10 Minuten auf DEL2-Niveau liefern wird und er mit mehr Spielpraxis sicher besser bedient ist. Die Entscheidungen sind nicht zwingend Entscheidungen gegen den eigenen Nachwuchs. Es ist normal, dass man nicht jedes halbwegs gute Talent auf Dauer am eigenen Standort halten und zum Stammspieler aufbauen wird. Uns fehlt als Fangemeinde nur der lange Erfahrungsschatz anderer Standorte, da wir erst seit ein paar Jahren auf diesem Gebiet mitmischen.

Rico Rossi hat nicht überwiegend auf 3 Reihen gesetzt, weil er junge Spieler nicht mag (schaut mal, wer unter ihm in Heilbronn groß geworden ist), sondern weil er nicht in die Abstiegsrunde wollte. Das kann man natürlich so oder so betrachten, aber wenn man Playoffs spielen will, kann man eben nicht sagen, dass man alle Talente durchweg spielen lässt und die Ergebnisse zweitrangig sind. Qualität setzt sich zudem immer durch, siehe Flade oder Uplegger, doch nicht jedem gelingt gleich der direkte Karriereweg nach oben.

Natürlich ist es nicht schön, einen Fanliebling und drei Talente zu verlieren, aber Profisport ist halt nicht nur ein bunter Strauß guter Laune, sondern auch ein Geschäft, in dem Einzelschicksale eher sekundär sind.

Wir wünschen Petr Pohl, Tim Heyter, Niklas Jentsch und Timon Ribnitzky ungeachtet dessen viel Erfolg und bedanken uns für Ihren Einsatz im Eislöwentrikot.


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