Montag, 6. Januar 2020

Nicht zu toppen oder Luft nach oben...

Ein letzter Blick zurück!

Keine Kehrtwende, kein neues Salz. Nach den ersten, vielleicht für manchen zu drastisch ausgefallenen Emotionen am Samstag, schauen wir heute noch einmal mit etwas Abstand auf das Hockey Open Air 2020 zurück.

Besonders für Erstlinge sicher ein sehr schickes Erlebnis, haben wir natürlich den Vergleich zum ersten Winterderby und für damals wären die jetzigen Kritiken der feiernden Presse sicher passender als heuer ("Riesen-Event", "sensationell") gewesen. Die Latte lag halt hoch und da man bereits zum zweiten Mal Ausrichter war, bestand immerhin auch ein organisatorischer Vorteil.

Gehen wir chronologisch vor.

Nach einem ruhigen Vormittag traf sich unser "dreckiges Dutzend" zum Mittagessen mit traditioneller tschechischer Küche und schmackhaften "veganen" Getränken. Gut gestärkt und gut gelaunt ging es anschließend mit den Öffentlichen zum Stadion.

Auch wenn wir etwas nach dem Stadion-Opening um Zwei eintrafen, fiel sofort das angenehm entspannte und freundliche Ordnungs- sowie Sicherheitspersonal auf. Zärtlich abgetastet, schritten wir zunächst auf die Tribüne: Plätze sichern. Anders als 2016 war es selbst im K-Block sehr geräumig und somit auch in Windeseile ein dreireihiges Aussichtsplateau gefunden, wenngleich wir wohl damit 2 später erschienenen Dynamos ihre Stammplätze streitig machten.

Nun gab es die erste Runde Verpflegung und leider auch so ein bisschen die Erkenntnis, dass man das Wetter beim Catering ausspielt. Während also der coole Biertrinker recht günstig auf seine Kosten kam, soweit das markentechnisch möglich ist, musste eine Frostbeule tief in die Schatulle greifen, um sich auch von innen wärmen zu können. Sei es drum. Erstes kleines Minus. Nix wildes. Die Fanclubkasse sollte es trotzdem nicht sprengen.

Man stimmte sich so langsam auf den Hauptakt, also das Derby ein. Winkte sich in das Sichtfeld der weiteren, parallel sitzenden Bad Lions und sang sich etwas ein.

Das Intro dann mit den bereits bekannten Tonnentrommlern, Eistanz und etwas Musik. Einige weitere Ideen fielen wohl dem Wetter zum Opfer, aber das Rad wird man dabei sowieso schwer neu erfinden. Ob man den Puck samt Eisläuferin ins Stadion tragen muss, ist sicher auch einfach eine Geschmacksfrage.

Die Hymne jedoch war anders als vielerorts klanglich 1a vorgetragen und sicher ein Pluspunkt. Niemand brühte im Lichte, allerdings waren dafür schon viele tschechische Freunde dichte.

Das Derby dann stimmungstechnisch gut, spielerisch gerade unter den Wetterbedingungen fast schon herausragend, auch wenn wir es uns wieder schwerer machten als notwendig. Das es wenig Zaunfahnen und keine Choreo geben würde, war klar. Da können wir uns und damit sich letztlich auch die gesamte anwesende Gemeinde nur an die eigene Nase packen. Keine Vorabsprachen, kein Interesse, keine wirkliche Initiative, keine Choreo. Da hilft halt keine App. Dazu ein Teilboykott mancher aktiver Gruppen aufgrund der Event-Thematik. Dafür war der Support aber letztlich doch ordentlich.

Als dann der Regen stoppte, Knacki mit seinem dritten Tor den Derbysieg eintütete und die Eislöwen-Ecke die Mannschaft abfeiern wollte, durfte diese zwar in die "Kurve" laufen und sich feiern lassen, doch sämtliche Versuche, Uffta, Welle und ähnliches zu starten, wurden durch den Ablauf behindert. Da war nämlich längst der Steiger wieder hochgefahren, um Stereoact's zweites Drittel zu begehen. Leider viel zu laut, ob man die Musik nun mag oder nicht. Das hätte man anders regeln können.

Mache nie die Rahmen-Acts größer als die Hauptattraktion, die Spieler. Vom Namen her hielt man sich ja auch dran, aber der Ablauf zwischen Derby-Ende und Warmup des zweiten Spiels war in unseren Augen ein Fehlschlag. Dickes Minus.

Da die Emotionen hochkochten, suchten wir lieber den sozialen Austausch. Ja, die Eishockeykultur ist noch immer pure Lebensqualität. Egal ob Kölner, Krefelder, Hamburger, Bremerhavener, Hallenser oder Crimmitschauer, es gab gute Gespräche, viel zu lachen und zu lästern, viel zu trinken und zu tratschen. Das macht den Sport schon immer aus, ist aber keine Leistung des Events, sondern der Fans selbst.

Nachdem sich in Spiel 1 ca. 25.000 der 32.009 Zuschauer auf den Rängen tummelten, fanden sich zum qualitativ noch besseren Abendspiel immerhin noch gut 20.000 Zuschauer ein, auch weil nun natürlich die tschechischen Nachbarn geschlossener in den Blöcken zusammenfanden und irgendwann auch ihr Pivometer überreizt hatten. Die Stimmung also auch beim Extraliga-Spiel gut, doch aufgrund des Wetters und einiger anderer Umstände leerte sich das Stadion immer mehr. Viele waren müde, verkühlt und sicher auch emotional erschöpft, sodass auch wir als Gruppe demokratisch zugunsten der Frierenden und Müden abstimmten, das Feuerwerk zu sprengen und uns vorher in die Nacht zu verabschieden.

Nach einem Heimweg voller weiterer Gespräche mit Eishockeyneulingen, Fans und Freunden sanken alle auf ihre Weise mehr oder weniger zufrieden oder einfach nur geschafft in die Federn.

Fazit: Der dargebotene Eishockeysport war jeden Euro Wert und hätte jeweils voll besetzte Ränge verdient gehabt. Besonders das Derby war trotz der für die Eisfläche grenzwertigen Schauerbedingungen auf erstaunlich gutem Niveau. Auch der Austausch zwischen den Fans aus ganz Deutschland und den Nachbarländern war wie gewohnt ein Genuss. Gewaltakte sind uns nicht bekannt. All das ist aber selbstgemacht und wäre auch in jeder Eishalle zu erleben. Daher schaut man dann auf das drumherum und da sind wir als Wiederholungstäter halt eher enttäuscht oder sagen wir ernüchtert gewesen. Nix Neues, Innovatives oder Spezielles und nichts, was einem, vom Sportlichen abgesehen, als unvergessen in Erinnerung bleiben dürfte und das Event zu einer Sensation werden ließe.

Das heißt nicht, dass die Veranstaltung schlecht organisiert war, im Gegenteil und wir hegen auch keinen Groll gegen einzelne Protagonisten. Da sollte man schon differenzieren. Die hohe Latte von 2016 wurde halt unserer Einschätzung nach klar gerissen, als damals das Stadion schier aus allen Nähten platzte und ein ganz anderes Flair herrschte. Das ist aber auch gar nicht schlimm. Es sind uns halt dieses Mal ein paar Dinge sehr negativ aufgestoßen und die mussten in der Emotion auch direkt raus. Sicher nicht immer der klügste Weg, aber es ist wie es ist. Mit dem Gegenwind können wir gut leben und verkehrt ist er auch nicht. Geschmäcker und Prioritäten sind halt verschieden und subjektive Empfindungen erzeugen immer auch Reibung.

Sei es drum. Wer es geil fand, dem werden wir doch sicherlich sein Empfinden nicht verhagelt haben, warum auch und wem es so wie uns ergangen ist, der kann uns vielleicht verstehen und wenn nicht, ist es auch ok.

Weitermachen.

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