Es war so ein Abend, der jedem und jeder ins Gedächtnis ruft, warum er oder sie diesen Sport und diese Farben so liebt. Zwischen Himmel und Hölle in gerade einmal 60 Spielminuten. Wir starten gut, dann folgt die erste unnötige Strafe. 1:0. Danach ein sicherlich dummer Aussetzer und damit die nächste unnötige Strafe. 2:0, 3:0, 4:0. Ganz ehrlich liebe Leute, die in diesen Zeiten aufgrund eines Ergebnisfrusts meinen, die Legitimation zu besitzen, gegen die eigenen Spieler zu hetzen, sie nicht etwa, was noch absolut gerechtfertigt wäre, sachlich zu kritisieren, sondern verbal, auf teils inakzeptable Weise mit ihren Tastatur-Schlägen aus der Stadt zu prügeln: Schämt euch! Zählt ihr auch die Fehler der anderen Spieler oder nur die von Knackstedt? Er ist weder eine Diva, noch ein Schönspieler und schon gar keiner, dem alles am Allerwertesten vorbeigeht. Ja er hat Bockmist gebaut, aber er war sicher nicht der erste und wird auch nicht der letzte gewesen sein, dem so etwas passiert. Einen Steven Rupprich hätte man wohl bei so einer Aktion anders behandelt. Wir sind ein Team, mit allem Für und Wider. Solange wir das nicht begreifen und leben, werden wir nie dauerhaft eine Mannschaft spielen sehen, die sich von Nummer 1 bis 98 und vom ersten bis zum letzten Spiel für uns aufopfert.
Wir hatten, so dachten wir zumindest, ausgemacht, dass es nur gemeinsam geht und das Team hat allen Unverbesserlichen heute Abend den perfekten Anschauungsunterricht dafür geliefert. Ja wir waren nach 7 Minuten tot und in der Lausitz und im westsächsischen Raum frohlockte sicher bereits so mancher mit der lüsternen Hand an der schadenfrohen Smiley-Keule, doch es genügt doch, dass die uns zu gewissen Teilen verabscheuen und unser Team in der Luft zerreissen. Wir kaufen kein Bespaßungs-ABO, wir sind Fans unseres Clubs, unserer Farben, weil wir die Leidenschaft und Liebe in uns tragen und diese Leidenschaft und Liebe für den Sport haben unsere Jungs heute neben all den Schwächen auch gezeigt, nicht aufgegeben, sondern ihre Stärken ausgepackt, eine unfassbare Moral in einer immensen Drucksituation bewiesen und mit einer echten Willensleistung den Kopf aus der Schlinge gezogen.
Ein Spiel im Zeichen der Zahl 4. D ist ja auch der 4. Buchstabe des Alphabets und so war es nach dem Monster-Comeback mit 4 Toren im Mitteldrittel und dem DD-typischen Stand von 4:4 natürlich auch unserem Spieler der Saison mit der Nummer 4 vorbehalten, den Lucky Punch zu setzen und uns zum ersten Auswärtssieg des Jahres 2020 zu schießen. Perfektes Timing. Dieser Sieg bringt uns das erste 6-Punkte-Wochenende seit dem 1. Dezember 2019 und das überhaupt erst zweite der laufenden Spielzeit. Wir leben. Unter dem größten Druck und den größten, sicherlich teils selbst verschuldeten Widrigkeiten hat diese Mannschaft geliefert und wenn wir nun am Ende noch den direkten Klassenerhalt feiern und in die Playoffs einziehen, fragt keiner mehr, warum wir erstmals in unserer Zweitligageschichte die Schallmauer von 200 Gegentoren durchbrochen haben.
Fazit: Nach dem Sieg der Cleverness, gab es heute den Sieg der Moral und wir haben 6 Punkte im Sack, die wir, wenn wir mal ehrlich sind, kaum erwarten konnten. Vor drei Stunden haben sicher die ersten Super-Pessimisten schon die Auswärtsfahrten in der Oberliga geplant und nun sind wir plötzlich vor allem auch dank dem heute wirklich starken und fehlerfreien Helenius und dem wiedererstarkten Lamoureux als Lenker wieder 4 Punkte vor der Todeszone und punktgleich mit dem Achten. Wir wissen, dass wir defensiv ein arges Problem haben. Aber wir wissen auch, dass wir die offensiv wohl talentierteste Eislöwen-Mannschaft aller Zeiten haben, deren Moral nicht zu unterschätzen ist. Wir kassieren im Schnitt 4 Gegentore und wissen, dass wir oftmals eben mindestens 5 eigene Tore brauchen, um zu gewinnen und dieses Team hat das jetzt unter größtem Druck zweimal bewerkstelligt. Über die Saison im Ganzen können wir gerne nach dem letzten Spiel reden, wobei dort andere gefragt sind, die richtigen Schlüsse zu ziehen, aber für den Moment spüren wir einfach eine große Erleichterung, dass wir nach diesem kräftezehrenden und nervenaufreibenden Wochenende weiterhin alles in der eigenen Hand, ja die Lage gar deutlich verbessert haben und die Qualität besitzen, uns immer wieder aus solch brenzligen Situationen herauszuarbeiten.
Wir brauchen noch 3 Punkte für den sicheren Klassenerhalt und die holen wir. Gemeinsam. Voller Überzeugung.
#REL10N
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen