
Es wird immer epischer zwischen beiden Teams und wer nun erwartet hätte, es gäbe mal ein fluffiges High-Scoring-Game, sah sich logischerweise getäuscht. In einem harten Abnutzungskampf über 81 Minuten gewann am Ende die etwas glücklichere Mannschaft und das waren unsere Eislöwen. Tuuuut daaaaaas guuuuuuuut.
Das Spiel begann mit starken Huskies, auch weil wir zunächst nicht so griffig waren. Folgerichtig fiel auch das frühe Tor für Kassel. Doch bekanntermaßen können wir Rückstände. Das haben wir bereits gegen Rosenheim eindrucksvoll bewiesen. Es hilft natürlich, wenn du schnell antwortest. Powerplay. Quasi eine Konter in Überzahl. Andy, der heute ein bestialisch geiles Spiel gemacht hat, ließ seinen Gegenspieler aussteigen, passte scharf auf Drew, der stand (Le)Blanc am langen Pfosten und netzte zum Ausgleich ein. Das war es dann für 75 Minuten mit Toren. Aber ihr wollt trotzdem den ganzen Weg gehen, gelle? Nach dem Tor kamen unsere Eislöwen sichtbar besser in die Partie. Bekamen Rhythmus, Spielfreude und spielten mit Oberwasser. Man sollte sich halt vorher überlegen, was man sich wünscht, liebe Kasselfans. Es kam die Zeit, in der das Elbwasser tatsächlich stieg und Beachboy Chris G. und seinen Wardogs immer mehr Strandfläche wegspülte. In Minute 16 hätte Tomáš Sýkora per Shorthander die Führung besorgen können, doch scheiterte am Huskies-Goalie.
Das zweite Drittel begann mit der bitteren Gewissheit, dass Blockmonster Olli Granz nicht aufs Eis zurückkehren würde. Hart, aber so sind Playoffs eben. Im Mittelabschnitt, wenn man das überhaupt noch so bezeichnen konnte, sahen wir uns zunächst öfter in Unterzahl wieder. Wir lieferten zwar in unserer Kernkompetenz ab, doch es kostete uns Kraft und gab den Hausherren Momentum. Mit Danny Boy als Rückhalt kamen wir aber auch durch diese schwere, vielleicht schwerste Leidensphase des Spiels. Zum Ende des Drittels wurde unser Offensivbemühen dann wieder stärker. Wir blieben von der Strafbank weg und fanden etwas mehr Flow in every Row.
Der reguläre Schlussabschnitt dann sehr taktisch und von Vorsicht geprägt. Wir killten abermals einen Penalty. Es war spürbar, dass der nächste Treffer entscheiden würde und keiner es verbocken wollte. Viele Großchancen gab es nicht. Wir ließen allerdings zwei vielversprechende Überzahlsituation ungenutzt verstreichen, fanden nicht die gewohnte Passsicherheit. In der Folge entwickelte der Gastgeber noch einmal eine Druckphase, wollte unbedingt nach 60 Minuten den Deckel drauf machen, doch das Glas hatte einen Schraubverschluss, den sie nicht so leicht drauf bekamen. In der Schlussminute hätten dann unsere Sundblädder beinahe noch den Lucky Punch gesetzt, doch Gibson wusste das zu verhindern.
Also hieß es, wie schon in Spiel 2, Overtime - Keiner kommt hier pünktlich heim. Auch die Verlängerung verlief in Wellen. Beide Teams hatten ihre Phasen, verteidigten aber vor allem aufopferungsvoll ihr eigenes Gehäuse. In der 69. Minute hatte Porsche die Entscheidung auf dem Schläger, schoss selbst, statt auf rechts weiterzupassen, wo Andy das offene Tor vor sich hatte, doch kein Vorwurf. Alle waren jetzt physisch im roten Bereich. In Minute 72 dann nochmal Kassel mit einem Punch, doch Danny und seine Boys vernagelten die Bude. Also sagte sich kurz vor der nächste Drittelpause einmal mehr unser Yogs, er könne es mal solo probieren. Sowohl seine Freundin, als auch die gegnerischen Spieler hörten das nicht gerne, doch es führte beinahe zum Siegtreffer.
Eine Verlängerung war nicht genug. OT2 musste sein und da waren unsere Eislöwen schon immer Experten. Wir haben noch nie eine 2. Overtime verloren. 15/16 gegen Crimmitschau und Bremerhaven waren wir siegreich mit "frühen" Treffern, wenn man so will. Da sagte sich Tomáš Andres, okidoki und prüfte den wirklich starken Gibson direkt in der ersten Minute. Der Goalie griff daneben, der Puck landete gemütlich im Tor und der Rest war nur noch Jubel, Ekstase und Glücksgefühl pur. Andy reiht sich ein, in die OT2-Winnerreihe um Zwez und Rodman. Geile Schei*e. Er probiert ja öfter mal was Andres und es hat wieder funktioniert.
Fazit: Diese Serie war, ist und bleibt ein Abnutzungskampf auf hohem Niveau, in dem NUancen entscheiden. Unser Mangel am Anspielpunkt und unser Chancenwucher im Powerplay sind sicherlich ernstzunehmende Baustellen. Doch diese Widerstandsfähigkeit der ganzen Mannschaft, die starke Defensive, das Commitment in Unterzahl und dieser geile Lauf von Danny im Kasten, sind dafür unfassbare Pluspunkte, die uns Historisches gebracht haben. Erstmals überhaupt haben wir in einer Zweitliga-Halbfinalserie zwei Siege auf dem Konto. Wir führen mit 2:1 in der Serie und sind schweineheiß auf Sonntag. Bis dahin genießen wir die Zeit. Unsere Mannschaft regeneriert bestmöglich und dann schießen wir am Sonntag gemeinsam schärfer als je zuvor. Das Dach muss wegfliegen.
P.S.: Gute Besserung an Olli und unseren Käpt'n. Wir brauchen euch, aber auch toll zu sehen, wie die anderen für euch mitkämpfen!